Zurück zu Tempel homepage Vor zu Weltuntergang
 
Der Weg zur Unsterblichkeit

Gott hat sich durch alle Menschen multipliziert. Der Glaube an sich selbst ist Voraussetzung zum Glauben an Gott. Das eigene Ich ist das Zentrum. Das ist die Wahrheit. Jede andere Philosophie ist eine Lüge. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, dieser Satz von Jesus ist wirklich wahr. Das Ich ist das eigene Herz und Gewissen. Doch je stärker das Ich wird, um so mehr löst es sich auf. Wenn es ganz verschwunden ist, dann ist nichts mehr vorhanden, was sterben kann. Das ist die Unsterblichkeit. Sie ist eine Zerstörung der Dualität, in der es keinen Unterschied mehr gibt zwischen ich und du, gut und böse, Leben und Tod. Man kommt zum Nichts und weiß doch alles.

Als ich in der nicht weit vom Tempel entfernten Jugendherberge ankam, war außer dem Amerikaner Tim und zwei Mädchen niemand anwesend. Tim war schon fast ein ausgeflippter Typ, mit Rauschgifterfahrungen. Er war an nichts anderem interessiert, als mit einem Messinggefäß, einer sogenannten Klangschale, die er in Thailand erworben hatte, zu meditieren. Wenn er auf dem Rand der Schale mit einem Holzstäbchen kreiste, entstand ein bestimmter Ton, der ganz eigenartig den Raum erfüllte. Der Zweck ist der, daß man während der Meditation durch das Kreisen des Stäbchens immer nur diesen einen Ton erzeugt und darüber nachdenkt, was die Stimme Gottes ist. Denn in der Stimme Gottes, in der es keine Dualität gibt, kann es keine Wörter geben, keine Mischung von Klängen aus hoch und tief. Tim, der einmal in der Nähe des Tempels auf diese Weise meditierte, hatte die Eingebung, in den Haupttempel gehen zu müssen, und entdeckte auch sofort die glockenförmige, riesengroße Klangschale, in die chinesische Touristen ihr Geld hineinwerfen. Es war wie eine Bestimmung für ihn, daß er mit dem Holzschlegel zu kreisen anfing. Das dumpfe Dröhnen erklang überall im Tempel und seiner Umgebung. Dies ging so lange gut, bis sich eine Ansammlung von Zuschauern gebildet hatte und er von jemandem an seiner weiteren Meditation gehindert wurde.

In einem anderen Tempel war die Hälfte des Raumes für das Büro und den Verkaufsschalter abgetrennt, und man mußte sich fast unmittelbar vor der Buddhastatue anstellen, um eine Essensmarke zu bekommen. Ich ließ mich jedoch nicht weiter von den geschäftlichen Interessen stören und wartete auf das Personal, um eine Essensmarke für das vegetarische Essen zu erhalten, als plötzlich Tim hereinkam. Fast geistesabwesend, an nichts denkend, sagte ich zu ihm: »Wir müssen noch ein paar Minuten warten, bis jemand an den Schalter kommt.« Ich wollte noch weitersprechen, aber Tim hinderte mich mit heftigen Armbewegungen daran. Etwas schien seinen Ohren weh getan zu haben. Dann mußten wir lachen, denn es war etwas Unmögliches passiert: Tim, der genauso an nichts dachte wie ich und noch nie ein Wörtchen Deutsch gelernt hatte, konnte alles verstehen, bis ihm bewußt wurde, daß ich deutsch sprach. Dann kam nochmals kurz dieselbe eigenartige Atmosphäre auf, wieder fing ich auf deutsch zu sprechen an, aber diesmal bemerkte er es sofort und schrie: »Stop it! Stop it!«

Wir meinen, durch Anhäufung von Informationen immer mehr zu wissen. Aber tatsächlich ist es so, daß man in dem Augenblick, in dem man nichts weiß, auch alles weiß. Denn alles zu wissen schließt natürlich das Gegenteil ein: das Nichts. Und das Nichts läßt sich mit unserem Denken nicht mehr erfassen, denn Denken ist nur eine Sinnestäuschung unseres Körpers, gefangen im System der Sprache und Dualität. Das Denken hindert uns, inwendig leer zu werden; es hindert uns, jede Sprache der Welt zu verstehen, so wie es vor dem Turmbau zu Babel war, wo jeder die Sprache des anderen verstand. Erst durch die Spezialisierung des Denkens, nämlich den Turm zu bauen, ging die Sprachfähigkeit verloren.

Wenn ich nur über das Nicht-Denken zum Alles-Verstehen komme, war die Ichfindung, mit der ich erst absolut Mann werden mußte, um den Gegenpol, die Frau, verstehen zu können, der Beginn dieses Erkenntnisprozesses. Genauso gelange ich zur totalen Freiheit nur mit vielen scheinbar strengen Regeln, damit ich die Freiheit nicht falsch nütze und sie dadurch zur Unfreiheit wird. So war z. B. Jesus der freieste Mensch, tatsächlich aber hat er nur den Willen Gottes ausgeführt. Bis vor hundert Jahren ließen sich Heilige in buddhistischen Tempeln monatelang einsperren, um durch die Unfreiheit zur Freiheit zu gelangen. Und ebenso kann die schnellste Bewegung nur in absoluter Ruhe erfaßt werden. Diese Ruhe läßt uns im Traum das Zeitgefühl verlieren, denn die Zeit ist mit der Bewegung verbunden, und wenn die Wahrnehmung der Bewegung durch unsere Sinnesorgane nicht mehr vorhanden ist, fehlt das Gefühl, wieviel Zeit vergangen ist.

Ich befinde mich auf einer Reise. Da sehe ich zwei Leute, wie sie für eine Fahrt in den Himmel einen Riesenluftballon besteigen. Es sieht aus wie auf einem Rummelplatz. Der Riesenballon dreht sich. Als sie den Ballon besteigen, werden durch die Fliehkraft ihre Finger gedehnt, dann ihre Körper; sie verändern ihre Gestalt und werden immer mehr aufgebläht. Da wachsen sie zu Riesenmonstern heran, zu Schlangenformen. Sie beginnen zu leuchten. Ich bin Zuschauer und möchte näher heran, aber da ist eine Abgrenzung, die wie eine Kugel das Ganze umschließt. Im nächsten Augenblick läßt das Leuchten der Schlangen und Monster wieder nach, das Ganze fällt in sich zusammen wie ein fauchender Luftballon, dem die Luft entweicht.

In diesem Moment wachte ich auf und spürte, daß ich mit dem Zusammenfallen der Monster langsam ausatmete.
In diesem Traum bin ich Zuschauer eines einzigen Atemzuges, denn der Traum beginnt mit dem Einatmen und hört mit dem Ausatmen auf. Der Traum zeigt mir, daß sich das Leben aus einer Vielzahl von Atemzügen zusammensetzt, und jedes Einatmen bedeutet Leben, jedes Ausatmen Sterben. Mathematisch ausgedrückt: Das Leben ist eine Funktion in Abhängigkeit des Atemzuges, mit der veränderlichen Größe des Atemzuges. Das bedeutet, daß sich das Leben um so weiter dehnen läßt, je langsamer jeder Atemzug ist. Tiere mit einem langsamen Atem leben länger als die mit einem schnellen. Und so ist es auch zu erklären, warum die Menschen von Adam bis Noah eintausend Jahre alt werden konnten.

Ich habe ein steifes Glied, es ist schon eine ganze Weile steif. Ich möchte es berühren, um einen Samenerguß zu bekommen. Aber meine innere Stimme und die Erkenntnis aus einem früheren Traum, nämlich daß ich viele Zuschauer habe, falls ich mein Glied berühre, hindern mich, das zu tun. Auf einmal sehe ich eine Frau, die an einem kreisförmigen, kleinen Teich eine Schlange bewacht. Sie hat die Schlange in den Händen. Sie hält sie vorn, an ihrem Maul, damit sie nicht beißen kann. Sie fragt mich, ob ich die Schlange haben wolle. Ich antworte mit einem Ja. Aber ich wolle die Schlange nicht aus ihrer Hand, da ich ja nicht weiß, ob sie mich täuschen will, um mich von der Schlange beißen zu lassen. Ich gehe rückwärts, weg von ihr, sie nicht aus den Augen lassend, bis ich zu einem anderen kleinen Pfuhl komme. Da denke ich, vielleicht ist hier auch eine Schlange drin. Ich kann jedoch keine entdecken. In dem Augenblick, als ich mit den Füßen im Wasser stehe und mir noch überlege, wie ich die Schlange anfassen könnte, ohne gebissen zu werden, wirft sie mir plötzlich die Schlange zu. Im selben Moment kommt ein wahnsinniges Licht aus meinem Körper, und ich erkenne, daß sich das Geschehen bisher im Dunkeln abgespielt hat. Das Licht hat eine solche Macht, daß die Schlange zurückgeworfen wird. Ein Licht, wie ich es noch nie gesehen habe.

In diesem Traum wurde mir bewußt, daß es in Wirklichkeit dunkel ist, wenn wir meinen, es sei hell draußen, und wir könnten alles sehen. Denn wir haben die gleichen Augen wie ein Tier, mit denen wir nur das sehen, was sich vor uns befindet; wir können durch die Materie nicht hindurchsehen. Tatsächlich leben wir in der Welt der Tiere, in der wir jeden Tag nach der Befriedigung unseres Körpers suchen. Der Verstand hilft uns nur, auf möglichst bequeme Weise zu diesem Ziel zu gelangen.
Auch wenn der Mensch sich anmaßt, er stünde über den Tieren, steht er in Wahrheit doch unter ihnen, denn wir haben schon vergessen, daß ein Oben nur existieren kann, wenn es ein Unten gibt. Tatsächlich hat Gott Adam und Eva vor dem Sündenfall über die Tiere gesetzt. Danach mußten sie genauso sterben wie die Tiere. »Denn an dem Tage, da du davon issest, mußt du sicher sterben« (Gen. 2, 17). Der Mensch ist in das Tierreich gefallen und hat einen tierischen Körper bekommen.

Selbst die Wissenschaft hat bewiesen, daß der Mensch vom Tier abstammt, weil wir dem Tier ähnlich geworden sind. Wenn man die Entwicklungsstufen immer weiter zurückverfolgt, zeigt sich, daß letztlich die Erde die Mutter aller Lebewesen ist. Das Gegenteil - der Himmel oder das Paradies - muß ein Ort sein, der frei ist von allen Gegensätzen, der sogenannten Dualität, ein Ort perfekter Harmonie.
Dualität heißt: Zu plus gehört minus, zu oben unten, zur Vergangenheit die Zukunft, zur Aktivität die Passivität, zum Leiden die Glückseligkeit, zum Leben der Tod usw. Wenn die Dualität verschwindet, verschwinden Vergangenheit und Zukunft, was bedeuten würde, daß die Zeit verschwindet. Dann verschwinden Nähe und Ferne, das heißt, man kann durch das ganze Weltall schauen. Und es verschwindet letztlich auch unsere Sprache, weil Wörter ohne unsere Dualität nicht existieren können.

Der Traum sagt mir, daß die Dualität nur aufgelöst werden kann, wenn ein Licht vom eigenen Herzen ausgeht, das stärker ist als die Sonne, das Tag und Nacht verschwinden läßt und das Adam und Eva nicht erkennen ließ, daß sie nackt waren. Im Traum erreiche ich dies nur durch einen Verzicht auf die Sexualität.

Je mehr Menschen sich dieser Gedanken bewußt werden, um so wahrscheinlicher ist es, daß sich die Zeit der Dualität ihrem Ende neigt. Im Buch von Enoch (Secrets of Enoch) wird vorhergesagt: »Wenn sowohl die sichtbaren als auch die unsichtbaren Schöpfungen, so wie sie Gott geschaffen hat, zu Ende gehen, dann muß jedermann in das große Gericht gehen, und die Zeiten werden unbrauchbar werden, es wird weder Jahre noch Tage noch Stunden geben, denn sie werden zusammenschmelzen, so daß sie nicht mehr gezählt werden können.« Das ist nur möglich, wenn Vergangenheit und Zukunft verschwinden, wenn sich die Dualität auflöst, die durch Adam und Eva entstanden ist. Dann verschwindet auch der Unterschied zwischen Mann und Frau: »Denn wenn sie von den Toten auferstehen, heiraten sie nicht, noch lassen sie sich heiraten, sondern sind wie die Engel im Himmel« (Mark. 12, 25).

Ich sehe in einem teichähnlichen Becken einen Saurier. Das Tier befindet sich unter einer Eisschicht. Aber vorn taucht es mit dem Kopf auf. Ich bin überrascht, daß es so ein Tier noch gibt, ich habe immer gedacht, sie seien längst ausgestorben. Da fasse ich Mut und gehe an den Rand, und als zufällig der Kopf ein bißchen herausragt, berühre ich ihn am Maul. Da bekomme ich einen elektrischen Schlag, und ein leichtes, plattgedrücktes Mal bleibt an meinem Finger. Ich zeige es anderen Leuten. Dann wende ich mich wieder dem Saurier zu. Ich sehe, wie sein Herz schlägt, dreißigmal in der Minute. Ich sage zu ihm, daß er wahrscheinlich sehr lange leben werde bei so wenigen Herzschlägen. Er sagt, nur noch einen Monat, dann sei er tot. Ich bin erschrocken und frage ihn, warum er nur noch einen Monat leben werde? Er sagt, daß er schon alles wisse, und wenn man alles wisse, müsse man sterben.

In meinen früheren Träumen bin ich vielen Tieren begegnet, z. B. Kühen, Elefanten, einem Tiger, Gorillas, einem Eisvogel, Schlangen u. a. Jetzt begegne ich einem Urtier, das mir sagt, daß man den Wunsch zu leben um so weniger hat, je mehr man das Leben versteht. Das Leben zu verstehen bedeutet, diejenige Weisheit zu haben, die sich in allen unseren Sprichwörtern findet und die uns alle Religionen verstehen läßt;. Jede Religion ist der Weg zum eigenen Herzen, von dem alles Denken ausgeht. Die Religion ist das Hilfsmittel, den Schleier des eigenen Ichs freizulegen, um die Harmonie zu finden - die Harmonie, die in Worten unaussprechlich bleibt, die ins Paradies zurückführt und die alle Gegensätze auflöst. Wenn ich von Harmonie spreche, so ist das Wort vielleicht schon falsch, weil es das Gegenwort Disharmonie gibt, und wenn ich sage falsch, dann ist es zugleich richtig, denn das Paradies ist der dritte Himmel, der zwischen Verderbtheit und Unverderbtheit liegt (Buch von Enoch) und der mit unseren Worten nicht beschrieben werden kann (Apostel Paulus 2. Kor. 12, 2). So muß auf der anderen Seite die Hölle die extremste Dualität darstellen, in der äußerste Hitze, Kälte, Haß, Angst, Dunkelheit usw. empfunden werden können.

Ich sehe am Himmel einen Bus oder zwei, die aneinandergehängt sind. Sie erscheinen am Nachthimmel, und sie rasen mit großer Geschwindigkeit. Diejenigen, die das Ganze sehen, wollen gar nicht glauben, was sie gesehen haben, denn es ist etwas Entsetzliches. Die Tür wird geöffnet, ich bin der einzige, der hineingeht. Drinnen sitzen zu meinem Erstaunen nur Mädchen. Aber mich treibt keine sexuelle Erregung zu den Mädchen hin. Da setzt sich der Zug in Bewegung, und ich denke, daß uns viele Erdbewohner jetzt sehen werden. Wir fahren mit dem Zug einfach durch die Häuser, die vor uns stehen. Der Zug kann anscheinend durch alle Materie hindurchfahren. Dann kommt noch jemand herein; es ist der stellvertretende Chef unseres Spracheninstituts. Er hat eine Aktentasche bei sich. Wir sagen ihm, er müsse sie draußen lassen, sie sei hier nicht notwendig. Er möchte Geld holen und geht nochmals nach draußen. Das Fräulein fragt, ob alles zur Abfahrt fertig sei, und ich bekomme Angst, daß er den Zug verpaßt.

Der Traum sagt mir, daß ich im entscheidenden Augenblick auf alles verzichten muß. Es ist der Tod, der alles, was wir im Leben so wichtig nehmen, bedeutungslos macht. Wenn im Leben das Geld meine Gedanken fesselt, dann kann der Todesgedanke mich davon befreien; er gibt die Kraft zum Leben, so wie sich auch in der Traurigkeit das Glück findet.
In dem Augenblick, wenn ich tot bin und die Materie nicht mehr wahrnehmen kann, hat sich für mich auch der Planet Erde und das Weltall aufgelöst. So gesehen ist jeder Mensch ein Gott, mit dessen Geburt die Welt geboren wird und mit dessen Tod sie wieder aufhört zu existieren. In dieser Zeitspanne ist das Leben ein Spiel, während dessen man in eine Rolle schlüpft: Man spielt die Rolle seines Geschlechtes, seines Berufes und sogar seines Charakters, der durch den Umgang mit seinen jeweiligen Freunden bestimmt wird.

Ich sehe meinen Vater, wie er im Sterben liegt. Er bereitet sich vor. Er hat ausgerechnet, wie lange man im Leben Zeit hat, sich aufs Sterben vorzubereiten. Oh, es sind ja nur ganze zwanzig Minuten von dem unendlich langen Leben herausgekommen. Aber da waren doch immer die Sonntagvormittage (Kirchgang) ... eigentlich ... Da beobachte ich, wie sich auf seiner Stirn drei Querfalten bilden. Das drückt die Angst vor dem Sterben aus. Ich kann das mitfühlen und stöhne deshalb etwas. Mein Vater mißt jetzt seinen Puls. Sein Puls hat jetzt nur noch dreißig Herzschläge pro Minute, und er weiß, daß es nun soweit ist: der Zeitpunkt ist da, jetzt muß er sterben. In diesem Augenblick nehme ich keine Rücksicht mehr, zu verheimlichen, was ich denke; ich sage ganz laut: »Das Ich mit seinem Körper gibt es in Wirklichkeit gar nicht, das war eine Illusion, und du hast ein Leben lang daran geglaubt.« Er versteht mich sofort, und er macht heftige Bewegungen, um auszudrücken, daß es genau das sei, und verscheidet.

Dieser Traum zeigt mir, was Unsterblichkeit bedeutet, nämlich daß unser Ich eigentlich nie existiert. Denn der Weg zum eigenen Ich, die Erkenntnis des eigenen Ichs, führt zur Auflösung des eigenen Ichs. In diesem Zusammenhang wird uns die logische Denkweise von Jesus verständlich, der kein Mitleid haben kann mit Menschen, die andere schädigen und sich nicht bekehren wollen. Denn sie erkennen nicht, daß sie sich über den anderen selbst schädigen.
Sie glauben an die Unabhängigkeit des Ichs und merken nicht, daß dieses unabhängige Ich sie später anklagen wird. Die Strafe ist das große Gericht, das in der Bibel und in allen Religionen zu finden ist. Mangelnde Erkenntnis, Stolz und Egoismus schaffen die Selbstständigkeit des Ichs und einen Abstand zu den Mitmenschen. Umgekehrt wird der Abstand geringer mit der Erkenntnis des eigenen Herzens und er wird immer kleiner je mehr man zu sich selbst findet, bis er sich am Schluß ganz auflöst. Man ist im Zentrum angekommen, das Zentrum ist Gott. Es gibt keine persönliche Individualität mehr, und es gibt dann auch keine persönliche Seele mehr, denn sie hat in Wahrheit nie existiert.
Die Schaffung einer unsterblichen, persönlichen Seele war ein Lügengebilde, denn schon der Teufel sagte zu Eva: »Ihr werdet keineswegs des Todes sterben (wenn ihr von der Frucht der Dualität genießt).« Der Mensch klammert sich an die Illusion, daß etwas Unsterbliches in ihm sei. Nicht die Seele ist unsterblich, sondern die Lehre Jesu, die ich hiermit erklärt habe, führt zur Unsterblichkeit. Die Auflösung des Ichs, das ist die Frucht des zweiten Baumes im Paradies - den Baum des ewigen Lebens.