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Das Bild stellt den Traum mit der Schlange und dem Licht dar

Hast Du den Urschrei ausprobiert?

Glaubst Du immer noch nicht an Dich selbst? Entdecke die Religion

Vergißt Du Deine Einsamkeit mit dem Surfen in Sexbildern? Gehe in einen
buddhistischen Tempel

Der einzige Weg zur Unsterblichkeit ist die Zerstörung der Dualität

Der Zeitpunkt des Weltendes

Fortschritt = Rückschritt Bibel contra Wissenschaft

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Who will be the first
to destroy dualism?

Leben und Tod sind notwendige Gegensätze. Wir leben in der Welt der Dualität. Der Dualismus ist die Grundlage jeder Philosophie und Religion. Die Bibel liefert die erste Quelle über die Entstehung der Dualität. Es ist die Geschichte von Adam und Eva in der sie unterscheiden lernten zwischen Gut und Böse.
Gibt es ein Leben nach dem Tod, oder existierten wir gar schon vor unserer Geburt? Wir beschäftigen unser Gehirn mit sinnlosen Fragen, denn unser Denken bewegt sich innerhalb der Dualität. Genauso sinnlos ist die Frage nach der Existenz Gottes, denn wenn es ein Ja gibt, dann gibt es auch ein Nein.
Gott steht außerhalb der Dualität. Die Wahrheit ist, daß Jesus und Buddha die Zerstörung der Dualität lehren, um ins Paradies zu kommen. Deshalb sind scheinbare Widersprüche in der Bibel keine Widersprüche. Entscheidend ist das Verständnis des Herzens.

Für mich war der Urschrei und meine Träume der Schlüssel zum Verstehen. Das eigene Ich ist das Zentrum. Erst wenn ich mich selbst verstehe, dann verstehe ich meine Eltern und andere Menschen. Und erst wenn ich an mich selbst glaube, dann kann ich an meinen Vater, an Jesus, Buddha und an Gott glauben. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, dieser Satz von Jesus ist wirklich wahr. Das Ich ist das eigene Herz und Gewissen. Doch je stärker das Ich wird, um so mehr verschwindet es. Wenn es sich ganz aufgelöst hat, dann ist auch nichts mehr vorhanden, was sterben kann. Das ist die Unsterblichkeit. Sie ist eine Zerstörung der Dualität, in der es keinen Unterschied mehr gibt zwischen ich und du, gut und böse, Leben und Tod.

Wem als erster diese Zerstörung des Dualismus gelingt, wird der kommende Jesus Christus oder Buddha sein. Ich bin sicher, so ein Ereignis könnte dann genauso grausam sein wie ein Atomkrieg. Denn das erste Mal kam Jesus um Menschen zu retten, beim zweiten Mal wird es das Gegenteil sein: die Rache.
Im Traum sah ich den genauen Zeitpunkt der Apokalypse und des Weltendes.


 
 
Der Urschrei

Mein neues Leben begann mit dem Urschrei. Als ich das erste Mal nach Vater und Mutter schrie, fühlte ich mich wie ein Baby. Mein Atem war in den Bauch gefallen. Es war eine Wiedergeburt und Selbstfindung.
Ich wiederholte den Urschrei so oft, bis sich keine Reaktionen mehr zeigten. Gleich zu Beginn die Erkenntnis: Ich bin ein Mann und der weibliche Anteil in mir muß sterben.

»Dieses Buch handelt von der Entdeckung des Urschmerzes - eines Schreies, der die bisherige Psychologie auf bisher ungeahnte Weise verändern kann. Während einer therapeutischen Sitzung erzählte mir ein Student von einem Schauspieler, der auf der Bühne in London auftrat und ein Baby spielte, das immer nur Papi und Mami zu rufen hatte, bis es sich am Schluß seiner Vorstellung übergab. Während seiner Nummer wurden Plastiktüten verteilt und die Zuschauer aufgefordert, seinem Beispiel zu folgen.
Eben dies hatte den Studenten so fasziniert, daß ich auf die Idee kam, ihn aufzufordern, es ebenfalls einmal auszuprobieren. Anfänglich weigerte er sich, doch da ich einfach darauf bestand, fing er an, nach Papi und Mami zu rufen. Plötzlich schrie es ganz laut und schrill aus ihm, so als ob er sich in einem hypnotischen Zustand befinden würde. Dabei krümmte er sich auf dem Boden; Zuckungen durchliefen seinen ganzen Körper. Am Schluß stieß er einen lauten, durchdringenden Todesschrei aus, wie ich es noch nie in meiner bisherigen Praxis als Psychotherapeut gehört hatte. Der Schrei ließ alle Wände meines Sprechzimmers erzittern.
Das Ganze hatte nur ein paar Minuten gedauert, und alles, was er mir sagen konnte, war, daß er es geschafft habe. Was, das konnte er mir nicht sagen. Er sagte nur, daß er jetzt fühlen kann.«

Genau die Einleitung des Buches »Der Urschrei« von Arthur Janov hatte ich gelesen, als mir in den Sinn kam, es auch einmal auszuprobieren. Ich war ein bißchen aufgeregt, doch ich beruhigte mich, indem ich mir sagte, viel grausamer als in einem Traum vor ein paar Tagen, wo Strom durch meinen Körper floß, könnte es wohl kaum werden.
Ich legte mich aufs Bett und fing an, nach Vater und Mutter zu schreien, zuerst zaghaft, dann schrie ich etwas mutiger: »Vati! Mutti!« und nochmals »Vati! Mutti!« Und mit einem Mal schrie es wie von selbst aus mir und so gewaltig, daß ich es nicht mehr zu kontrollieren vermochte: »Vati!!!! Mutti!!!!«, und zugleich stieß ich laute Schreie aus, die alle aus der Tiefe meines Inneren zu kommen schienen und ich fühlte Strom durch meinen Körper fließen, dessen Kraft meinen Körper aufbäumen und zusammenzucken ließ. Mein Denken war ausgeschaltet, ich fühlte mich wie ein Baby, das gerade erst durch die Geburt ins Freie gelangt war und jetzt nichts anderes machen konnte, als nur zu schreien. Je länger ich schrie, um so mehr schien es dem Baby Spaß zu machen, bis mein Schreien in eine Art Singen überging und von selbst aufhörte.
Das Ganze hatte höchstens fünf Minuten gedauert. Aber was war mit mir geschehen? - Ich mußte einfach lachen, so wahnsinnig gut fühlte ich mich danach. Kein Gedanke mehr daran, daß meine Freundin mich verletzt hatte. Mir wurde schlagartig bewußt, daß ich mich nur durch meine Schmerzen, die seit meiner Kindheit in mir gewesen waren, verletzt fühlen konnte. Jetzt, da ich sie alle herausgeschrien hatte, gab es keine Wunde mehr, die aufgerissen werden konnte. Die größte Veränderung war mein Atem, der in den Bauch gefallen war, und meine Stimme, die nach einer neuen, stählernen Selbstsicherheit klang. Als ich nach draußen ging, konnte ich an diesem Tage sogar wieder alles scharf sehen, obwohl ich sonst eine Brille brauchte.

Als Sonja am Abend zurückkam, merkte sie, daß etwas mit mir geschehen war. Ich erzählte ihr sofort mit Begeisterung, was ich ausprobiert hatte, ja ich führte es ihr ein zweites Mal vor. Ich legte mich wieder aufs Bett und fing an, nach Vater und Mutter zu schreien. Und wieder kam das gleiche Gefühl: Ich wähnte, ich sei ein Baby, das nichts anderes könne als nur schreien und dem das Schreien Spaß mache. Zuletzt konnte ich nicht mehr unterscheiden, ob es ein Schreien oder Singen war. Sonja sagte danach etwas bewundernd, daß ich noch nie so »frei und sagenhaft gut« gesungen hätte. Sicherlich hatte ich sie neugierig gemacht auf mein Erlebnis, denn sie wollte es ebenfalls ausprobieren.

So fuhren wir eines Abends an die Isar, zu einem Wasserfall, wo das Tosen und Rauschen die Stimmen schluckt und man sich nicht zu genieren braucht, einfach zu schreien. An diesem regnerischen Abend waren keine Leute unterwegs, wir waren vollkommen allein. Sonja entfernte sich ein Stück - sie wollte mich anscheinend nicht dabei haben. Aber da ich gespannt war, wie es bei ihr ablaufen würde, beobachtete ich aus kurzer Entfernung, wie sie sich ans Ufer setzte und tatsächlich nach ihrer Mutter zu schreien begann. Sie schrie dabei mit einer so hohen Stimme, wie ich sie bei ihr noch nie gehört hatte.
Jetzt kam bei mir wieder dieses eigenartige Gefühl, ebenfalls nach Vater und Mutter schreien zu müssen. Aber diesmal verlief es anders als bei den ersten Malen: Ich stand mit erhobenen Händen, und wie von selbst bog es mich immer weiter nach hinten - ganz langsam, immer weiter, und es tat überhaupt nicht weh. Das dauerte ein paar Minuten, bis auf einmal Sonja neben mir stand. Sie meinte, bei ihr habe das noch nicht richtig geklappt, sie müsse es nochmals probieren, denn sie habe nicht nach ihrem Vater rufen können.

In der Nacht erwachte ich aus folgenden Traum:

Ich rase wie wild die Treppen hinunter, ich überspringe mehrere Stufen. An der Wand hängen Bilder, an die ich anstoße. Da fällt eines zufällig herunter. Als ich das Bild anschaue, ist darauf eine alte Frau, die ein sonderbares Tier mit der Laterne anleuchtet. So ein Tier habe ich noch nie gesehen. Es ist grün und ein männliches Tier. Ich frage mich, wo das Weibchen dazu ist. Auf einmal sehe ich ein Buch, das jemand achtlos weggeworfen hat. Ich schlage es kurz auf und wieder zu. Es ist die Bibel in einem roten Einband. Außerdem liegt ein rotes Gesangbuch nicht weit davon entfernt. Die alte Frau sagt: »Das ist die Bibel.«
Wieder wird mein Blick von etwas angezogen, diesmal von zwei Kapellen, die auf einem Hügel stehen. Sie öffnet eine der beiden Kapellen, und es ist eine goldene Herrenarmbanduhr darin. Als wäre es selbstverständlich, reicht sie mir die Uhr; daß ich vielleicht eine andere will, kommt ihr nicht in den Sinn. Dann öffnet sie die andere Kapelle, in der sich eine Damenarmbanduhr befindet. Dann sehe ich auch Nadeln in einem Läppchen stecken, sehr schöne Stopfnadeln. Ich denke, ich könnte auch eine brauchen, und nehme eine. Die Frau ist ärgerlich, daß ich eine genommen habe, greift auch zu und nimmt sich welche.

Vor dem Urschrei hatte ich immer versucht, meine Freundin möglichst zufrieden zu stellen, das Beste für sie zu wollen. Ich merkte gar nicht, daß ich mich selbst belog, als ich für meine Freundin dachte. Ich bin nie die andere Person und kann nur das sagen, was ich empfinde. Der Traum sagt mir, daß ich mich nicht mehr in die Lage einer Frau hineinversetzen dürfe, denn das wäre die Leugnung meines eigenen männlichen Charakters, der für mich bestimmt ist. Deshalb ist die alte Frau ärgerlich, als ich wie früher versuche, den Teil einer Persönlichkeit anzunehmen, der mir gar nicht gehört, nämlich den weiblichen.


 
Die Entdeckung der Religion

Immer wieder probierte ich den Urschrei aus. Ich wollte wissen, warum sich der Atem ändern kann, nur wenn man nach "Vati" und "Mutti" ruft.
Die Antwort fand ich in der Religion und in meinen Träumen. Besonders die Träume waren der Schlüssel zu einem Verständnis der Bibel, wie ich es nie erwartete.
Das eigene Ich ist das Zentrum; es ist das Herz und Gewissen. Wenn ich mich selbst verstehe, dann verstehe ich meine Eltern und Großeltern. Und erst wenn ich an mich selbst glaube, dann kann ich an Jesus, Buddha und an Gott glauben. Es ist unmöglich an Gott und an Jesus zu glauben, aber nicht an sich selbst.

In einem abgelegenen Bergtal (Steinebachtal, nähe Bad Tölz) suchte ich nach Wasserfällen, wo ich immer wieder den Urschrei ausprobierte. Ich wollte unter allen Umständen herausfinden, warum das Schreien nach Vater und Mutter eine Änderung der Atmung bewirkt hatte.
Manchmal übernachtete ich in einer Scheune an einer kleinen Almwiese. Ich zählte meine Atemzüge: acht pro Minute. Dann versuchte ich, bewußt langsamer zu atmen, bis ich fünfzehn Sekunden für das Einatmen brauchte und fünfzehn Sekunden für das Ausatmen. Als es kälter wurde, verzog ich mich in den hinteren Teil der Scheune, wo das Heu vor der Kälte schützte. Hier versuchte ich immer wieder, nach Vater und Mutter zu schreien. Es zeigten sich jedoch keine Reaktionen mehr. Schließlich probierte ich einfach alle Wörter aus, die mir in den Sinn kamen: Vati, Mutti, Mann, Gott, Teufel, ich, ficken, Herz, ... Von diesen Wörtern faszinierte mich das >ich< am meisten, und es machte mir Spaß, an die offene Vorderseite zu treten und aus meinem Inneren grauenhaft laute Schreie in den Nachthimmel zu schleudern: »Ich! - Ich!« Und dann wechselte ich zu »Ich bin ich! - Ich bin ich!« und das wiederum mehrmals, so als wäre ich der einzige Mensch auf dieser Welt. Das Ganze gab mir eine neue Selbstsicherheit, die ich bisher noch nie gekannt hatte und die von einer Reihe neuer Einsichten begleitet war.

Früher hatte ich meine Mutter lieber als meinen Vater, weil ich sie für verständnisvoller und praktischer hielt. Ich war stolz auf sie, aber nicht auf meinen Vater, der nur für Bestrafungen und sonstige unangenehme Aufgaben zuständig schien. Jetzt war die Bewunderung für meine Mutter zusammengebrochen wie ein Kartenhaus. Es war mir sogar unverständlich, wenn meine Mutter mal etwas Schlechtes über meinen Vater sagte. Wie paßten die herablassenden Bemerkungen zu ihrem tiefen christlichen Glauben?
Ist nicht jedes Urteil, das man über jemanden fällt, nur das über sich selbst, da ja alles Denken aus dem eigenen Innern kommt und man nur das denken kann, was in einem selbst ist?
Wenn ich also etwas Schlechtes von jemandem sage, bin ich es eigentlich selbst, der schlecht ist. Selbst der Haß ist unabhängig von anderen Personen, auch wenn sie uns geschädigt haben. So ist der biblische Satz »Liebet eure Feinde« die Aufforderung, den Haß in uns zum Verschwinden zu bringen. Und wenn Jesus sagt: »Wer dich auf die rechte Wange schlägt, dem halte auch die andere hin«, dann läßt sich das nur so verstehen, daß man aus Haß nicht mehr zurückschlägt, weil keiner mehr vorhanden ist.
Das Schreien nach dem Ich brachte mir die Erkenntnis, daß alles seinen Anfang vom eigenen Herzen und Gewissen nimmt. Wenn ich meinem Gewissen folge, kann ich mich selbst lieben. Und nur wenn ich mich selbst liebe, kann ich wiederum andere lieben.
Und wie kann jemand an Gott glauben, aber nicht an sich selbst? Das ist unmöglich. Nur wenn ich an mich glaube, kann ich an meinen Vater, an meinen Großvater, an meine Ahnen und schließlich an Gott glauben.

So war der Schrei nach dem eigenen Ich die Erkenntnis des ersten Gebotes: »Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir«. Jeder Mensch ist ein Gott, das ist die Grundaussage des ersten Gebotes. Es ruft zum Glauben an sich selbst auf, nur nach seinem Gewissen zu handeln. Sinngemäß sagt Jesus das gleiche mit dem Satz »Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben«, nämlich daß man Jesus nur in sich selbst entdecken kann.
Durch den Urschrei habe ich Gott erreicht, der im eigenem Herzen wohnt und der nicht durch ein theoretisches Denkgebäude außerhalb des Menschen gefunden werden kann. Es war die enge Pforte, die zum eigenen Herzen geführt hat. In dem Augenblick, in dem ich nach Vater und Mutter geschrien hatte, war es das gleiche wie das Schreien nach Gott, dem himmlischen Vater: »Und jeder, der den Namen Jahwes anruft, wird gerettet« (Joel 3,5).

Dichtes Gestrüpp versperrt den Weg, ich komme gerade noch durch. Ich denke, hoffentlich gibt es hier keine Schlangen. Der Waldboden wird immer schwammiger. Plötzlich gibt er nach, ich schwanke und trete ins Leere. O Schreck, ich falle nach unten. Dann spüre ich, wie ich in Wasser falle und untertauche. Als ich wieder hochkomme, wundere ich mich, daß ich das in verschiedenen Farben schillernde Wasser nicht früher bemerkt habe - ein fremdartiger Teich, der in den dichten Büschen unsichtbar gewesen sein muß. Da ich gut im Schwimmen bin, schwimme ich auf die andere Seite.
Dort sitzt ein Gerippe. Es ist mein Jugendfreund Wolfgang, der mit seinem Motorrad tödlich verunglückt ist. Ich werfe einen Blick zurück über den Teich. Da sehe ich etwas Längliches, Zigarrenförmiges im Wasser schwimmen. Es ist radioaktiv und will mich durch eine Explosion töten.

Früher bin ich in meinenTräumen von Felsen gestürzt, aus Angst vor dem Aufprall jedoch aufgewacht.
In diesem Traum fiel ich unverhofft ins Wasser. Der Fall ins Wasser bedeutet die Wiedergeburt. Daß ich nach unten fiel, spiegelt das wider, was sich äußerlich vollzogen hatte: Mein Atem war durch den Urschrei von der Brust in den Bauch gefallen.
Es ist das Kennzeichen eines jeden Wiedergeborenen, daß er genauso wie ein neugeborenes Baby mit dem Zwerchfell atmet. Die Änderung meines Atmens zog auch eine spirituelle geistige Änderung nach sich. Mit anderen Worten, es gibt keine rein geistige Wiedergeburt, weil die Denkweise von der Atmung abhängig ist. Als Wiedergeborener werde ich mit dem Lebensende konfrontiert: der Tod.


 
In einem buddhistischen Tempel

Wer an sich selbst glaubt kennt sein eigenes Herz. Das Leben ist Einsamkeit. Am Anfang wollen wir es nicht wahrhaben und beschäftigen uns mit Hobbys, Studium und Beruf.
Ich wollte dem Leben in einem buddistischen Tempel in Korea entfliehen und kam nur noch näher an die grundlegensten menschlichen Bedürfnisse, nämlich Essen und Sex.

Songkwang-sa ist einer der wenigen Tempel Koreas, in denen noch die echte Meditaion, die Zen Meditation gelehrt wird. Zen bedeutet im wörtlichen Sinn nur "Sitzen", sitzen und meditieren.
Der Baustil des Tempels entspricht dem der alten Bauernhäuser. Die Gebäude stehen auf wuchtigen Steinsockeln und die Dächer sind so weit überstehend, daß die Fundamente vor Regen geschützt sind. Am interessantesten ist die Haupthalle. Rote Holzsäulen tragen das reichverzierte und verschachtelte Dach. Die Außenwände zwischen den Säulen sind rundherum mit Bildern geschmückt. Sie zeigen den Menschen in seinen verschiedenen Entwicklungsstufen: Die ersten Bilder, wie er einen Ochsen entdeckt - ein Symbol seines Ichs; wie der Ochse weißer und weißer wird, bis er schließlich ganz weiß ist - der Mensch hat sein Ich ganz kennengelernt; auf dem nächsten Bild reitet er auf dem Ochsen - er hat gelernt, das zu machen, was sein Ich möchte; wieder ein Bild weiter ist der Ochse nicht mehr vorhanden - er hat sein Ich weggeworfen; am Ende ist nur ein Bild mit einem Kreis vorhanden - das Du und das Ich, das Wir und das Ihr: alle Widersprüche haben sich aufgehoben, der Mensch ist ins Paradies eingegangen.

Drei Monate verbrachte ich als buddhistischer Mönch in diesem Tempel.
Um drei Uhr morgens wurden wir von einem Gebetsgesang, begleitet durch das Schlagen der Holztrommel (Mogthak), geweckt. Wir bereiteten uns für das erste Morgengebet vor, das um vier Uhr begann.
Beim Eintritt in den Tempel verbeugten wir uns leicht mit erhobenen, gefalteten Händen und stellten uns in mehreren Reihen auf. Die lauten Gebetsgesänge und das Schlagen der Holztrommel ließen keinen Raum für abschweifende Gedanken. Jedesmal, wenn dazu ein Gongschlag ertönte, verbeugten wir uns bis auf den Boden, was anmutig wirken sollte - weder zu langsam noch zu schnell. Da wir alle in Reihen nebeneinanderstanden, wollten die Mönche am Rande die Richtung ihrer Verbeugung ändern, nämlich hin zur Buddhastatue. Da wurde ihnen erklärt, daß das keine wichtige Rolle spiele, da Buddha in keiner Holzstatue, sondern im eigenen Herzen wohne. Er gleiche einer Sonne, die aus dem eigenen Herzen strahle, wenn die Wolken der Unkenntnis verschwunden seien. So sei jeder Tempel eine symbolische Darstellung des eigenen Herzens oder dessen, was im Herzen ist, nämlich Gott.

Nach der Morgenzeremonie mußten wir hinter dem Haupttempel unsere Verbeugung machen, genauer gesagt vor dem Stupa des letzten erleuchteten Mönches, der eigentlich von Beruf Richter war, aber nach der Fällung eines unrechtmäßigen Todesurteils seinen Beruf aufgab, Mönch wurde und fortan im Tempel meditierte, wobei er sich einschloß und durch eine Luke das Essen reichen ließ. Ein Stupa für einen verstorbenen Mönch sollte nur dann errichtet werden, wenn bei der Verbrennung des Körpers Steine als Beweis seiner Heiligkeit übrigbleiben (die Mönche meinten, daß sie aus dem Kopf oder aus dem Hoden kämen, weil ein Heiliger keinen Geschlechtsverkehr mehr hatte).

Die besonderen Festtage im Tempel waren alle vierzehn Tage der Vollmond- und der Neumondtag, an denen es außer dem täglichen Kim-tschi und der Rettichsuppe besonders viele Nahrungsmittel gab. Da wurde der Reis zusammen mit Erdnüssen, Sultaninen, Datteln (Tä-tschu) und Sesamöl gedünstet, der Geschmack von Suppen, Gemüsen und Tofu immer mit wildem Sesam und einer Pilzsoße verfeinert, und es wurden die traditionellen Reiskuchen gebacken.
Neben dem Vierzehntage-Rhythmus gab es zwischendurch immer wieder Festtage, an denen nicht nur das Essen gut schmeckte, sondern an denen wir Ausländer auch mit dem ranghöchsten Mönch, er hieß Ku-san-sunim (Neun-Berge-Mönch), sprechen durften. Hierfür legten wir unsere schönsten Kleider an. Nach dem Ritual der Ehrverbeugungen gab er uns einige Lehrstunden. Einige von uns stellten ihm Fragen zur Meditation. Aber was er wiederholt zu sagen schien, war dies: "Ihr sollt darüber nachdenken, was das Herz ist, und während der Meditation nur an die Gefühle und Empfindungen denken, die aus dem Herzen kommen." Jedoch stellte niemand die Frage, warum man nur ans Herz denken soll - und jetzt wäre es zu spät nachzufragen, weil er verstorben ist (1983).

Die meisten Mönche hatten vorher ein weltliches Leben geführt. Zum Teil waren sie verheiratet gewesen. Einer arbeitete als Tennislehrer und hatte hunderte von Freundinnen. Ein anderer lebte davor in den Bergen wie ein Tier, indem er sich zum Teil von Kiefernnadeln ernährte, die er vor dem Essen in einem Mörser zerstampfte. Ein Mönch hatte während seines Militärdienstes sein Gewehr weggeworfen, wofür er ins Gefängnis kam; er zeigte mir die Narben seiner dort erlittenen Mißhandlungen. Es gab jedoch auch Mönche, die schon im Kindesalter in den Tempel kamen und vielleicht bedauerten, noch nie eine Frau berührt zu haben.

Einige Mönche rieten mir, nicht im Tempel zu bleiben, um noch mehr in der Gesellschaft zu lernen und um zu heiraten. Ein Mönch empfahl mir gar, nicht an Buddha, sondern an Jesus zu glauben. Damals war für mich der Buddhismus die Religion des Essens, wobei durch das strenge Leben im Tempel weder die Lust aufs Essen, geschweige das Verlangen nach Mädchen zum Verschwinden gebracht wurde. Ich beherzigte den Rat der Mönche, wieder in die Gesellschaft zurückzukehren.

 

Ich konzentrierte mich wieder aufs Sprachstudium und belegte einen Kurs an der Seoul-Universität.
Bei einem Spaziergang lernte ich Mjong-hie kennen. Sie half mir beim Koreanisch lernen indem sie mir Satz für Satz vorlas, während ich das Nachsprechen übte. Sie ging in die zwölfte Klasse und wollte Journalistin werden, während ihre Eltern es lieber gesehen hätten, wenn sie ein Medizinstudium gewählt hätte. Sie war fast so groß wie ich und hatte ein hübsches Gesicht. Was mich aber noch mehr anzog, waren ihre schwarzen, schmalen Augen, mit denen sie mich immer wieder unbeweglich ansah. Einmal hatte sie mir ein Gedicht gegeben, in dem sie zum Ausdruck brachte, daß sie am liebsten so wäre wie ein Stein, nämlich unverletzlich in ihren Gefühlen. Und dann trafen wir uns zum ersten Male, abends, am Eingang einer Universität, in deren Nähe sie wohnte. Es dunkelte schon, als wir den Weg zum Sportstadion einschlugen. Wie zufällig berührten sich unsere Körper, und als wir die Treppen hinunterschritten, nahm ich ihre Hände. Doch im nächsten Augenblick ließ ich sie wieder los, weil ich mich beobachtet fühlte. Oder war ich nur unsicher, ob ich das Richtige tat? Wer hätte uns schon im Dunkeln beobachten sollen? Ich überwand meine Scheu, ergriff wieder ihre Hand und zog ihren Körper zu mir.

Ich bin mit meinem älteren Bruder im Zimmer. Da bleibt mein Blick an einer Fensterscheibe hängen, die das Licht so sammelt, daß sich ein Kreuz bildet. Auf einmal kommt ein Hund an meine Seite und geht nicht mehr weg. Ich versuche ihn zu vertreiben, schlage den Hund. Doch es nützt nichts. Dann nehme ich eine Flasche, um ihn damit zu töten. Aber das Fenster mit dem Lichtkreuz irritiert mich. Mit voller Wucht werfe ich die Flasche dagegen, so daß die Scheibe klirrend zerspringt. Im selben Moment habe ich das Gefühl, als würden alle Scheiben im Zimmer zerspringen, denn überall prasseln die Scherben herunter. Mein Bruder starrt mich an, ich bin erschrocken über das, was ich getan habe.

Diesen Traum hatte ich, bevor Mjong-hie mich eines Tages zu Hause besuchte. Die anderen Studenten waren alle zu ihren Vorlesungen gegangen. Und es war wie ein Moment, auf den wir schon lange gewartet hatten - allein in einem Zimmer. Gierig umarmten wir uns, und sie führte meine Hände zu ihren schönen, kleinen Brüsten, die ich immer wieder betastete. Wir lagen ruhig aufeinander, ich spürte, wie sich ihr Atem von der Brust in den Bauch gesenkt hatte. Als ich mit meiner Hand über ihre Jeans streichelte, fielen all ihre Hemmungen. Sie sagte mir, daß ich machen könne, was ich wolle. Ich streifte ihre Jeans ab, und mein Mund küßte sie überall dort, wo es mir gefiel. Doch ihren letzten Wunsch, mein Glied in sie einzuführen, konnte ich ihr nicht mehr erfüllen, weil ich zuviel Angst hatte vor den möglichen Folgen. Obwohl sie ganz regungslos dalag, spürte ich die Zuckungen ihres Höhepunktes.
Dann schien ich bewußtlos zu werden - und wieder schrie es aus mir, das Tier, das ich bereits im Traum und während des Urschreis erlebt hatte: »Uuaaaahh!«, und damit verbunden mein Samenausstoß. Danach verwandelte sich meine Stimme in die Stimme der absoluten Selbstsicherheit, die so fest klang wie Stahl und die Mjong-hie den Befehl gab, das Zimmer zu verlassen; Ekel stieg in mir hoch, weil sich mein Herz nicht entscheiden konnte, sie zu heiraten.

Ich bin bis vor ein eingezäuntes Grundstück an einem Berghang gekommen. Das Ganze befindet sich im Wald. Da kommt mir ein Wesen mit einem Bärengesicht entgegen. Das Gesicht ist das eines Bären, aber die Augen sind die asiatischen Augen eines alten Mannes. Er hat eine lange Rute in der Hand, mit der er mich abwehrt. Früher war dieses Grundstück ein schöner Obstgarten. Ich darf nicht hinein. Ich bin zum erstenmal in einem Traum schockiert über das Wesen, das halb Mensch und halb Tier ist. Es hat einen Gehilfen bei sich. Ich muß außen um das Grundstück herumgehen.

Dies träumte ich, nachdem ich bei einer Prostituierten war. Es tritt ein Wesen auf, das stärker ist als ich und das mein eigenes Gewissen darstellt. Es läßt mich nicht zu einer fremden Frau. Denn die Früchte, die ich genießen will, sind nicht für mich bestimmt.

In Korea gibt es viele Prostituierte, die oftmals erst nach dem Bruch einer längeren Freundschaft auf die schiefe Bahn geraten. Sie beginnt vielleicht damit, daß die Mädchen zuerst einmal als Bedienung in einem der vielen Cafe's arbeiten, noch eher jedoch, wenn sie als Animiermädchen Männer bedienen und diejenigen >verspeisen<, die ihnen besonders gut gefallen, bis sie sich letztlich ganz der süßen Sucht hingeben und sich jedem Mann zur Verfügung stellen. Dabei wird der Kunde so verwöhnt, als wäre es ihr Ehemann, der in der nächsten Stunde schon tot sein könnte.
Warum konnte ich nicht so lange warten, bis sich eine Ehefrau finden würde, die das gleiche für mich machte? Fühlte ich mich etwa angezogen von ihren hübschen Gesichtern, die so einfühlsam wirkten? Möglich - sicher aber war es mehr meine Einsamkeit, die ich zu überbrücken suchte. Eigentlich war die Einsamkeit und Traurigkeit eine Art innere Leere, die zur Zeit meiner Urschreiexperimente entstanden war und verstärkt wurde, seitdem ich allein lebte; ich hatte lediglich versucht, mich immer wieder ablenken zu lassen, um diese Leere nicht zu fühlen: Ablenken lassen durch das Essen und durch das Sprachstudium. Ich hatte keine Gelegenheit ausgelassen, um mein Koreanisch zu verbessern - ich war gierig nach der Sprache.


 
Der Weg zur Unsterblichkeit

Gott hat sich durch alle Menschen multipliziert. Der Glaube an sich selbst ist Voraussetzung zum Glauben an Gott. Das eigene Ich ist das Zentrum. Das ist die Wahrheit. Jede andere Philosophie ist eine Lüge. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, dieser Satz von Jesus ist wirklich wahr. Das Ich ist das eigene Herz und Gewissen. Doch je stärker das Ich wird, um so mehr löst es sich auf. Wenn es ganz verschwunden ist, dann ist nichts mehr vorhanden, was sterben kann. Das ist die Unsterblichkeit. Sie ist eine Zerstörung der Dualität, in der es keinen Unterschied mehr gibt zwischen ich und du, gut und böse, Leben und Tod. Man kommt zum Nichts und weiß doch alles.

Als ich in der nicht weit vom Tempel entfernten Jugendherberge ankam, war außer dem Amerikaner Tim und zwei Mädchen niemand anwesend. Tim war schon fast ein ausgeflippter Typ, mit Rauschgifterfahrungen. Er war an nichts anderem interessiert, als mit einem Messinggefäß, einer sogenannten Klangschale, die er in Thailand erworben hatte, zu meditieren. Wenn er auf dem Rand der Schale mit einem Holzstäbchen kreiste, entstand ein bestimmter Ton, der ganz eigenartig den Raum erfüllte. Der Zweck ist der, daß man während der Meditation durch das Kreisen des Stäbchens immer nur diesen einen Ton erzeugt und darüber nachdenkt, was die Stimme Gottes ist. Denn in der Stimme Gottes, in der es keine Dualität gibt, kann es keine Wörter geben, keine Mischung von Klängen aus hoch und tief. Tim, der einmal in der Nähe des Tempels auf diese Weise meditierte, hatte die Eingebung, in den Haupttempel gehen zu müssen, und entdeckte auch sofort die glockenförmige, riesengroße Klangschale, in die chinesische Touristen ihr Geld hineinwerfen. Es war wie eine Bestimmung für ihn, daß er mit dem Holzschlegel zu kreisen anfing. Das dumpfe Dröhnen erklang überall im Tempel und seiner Umgebung. Dies ging so lange gut, bis sich eine Ansammlung von Zuschauern gebildet hatte und er von jemandem an seiner weiteren Meditation gehindert wurde.

In einem anderen Tempel war die Hälfte des Raumes für das Büro und den Verkaufsschalter abgetrennt, und man mußte sich fast unmittelbar vor der Buddhastatue anstellen, um eine Essensmarke zu bekommen. Ich ließ mich jedoch nicht weiter von den geschäftlichen Interessen stören und wartete auf das Personal, um eine Essensmarke für das vegetarische Essen zu erhalten, als plötzlich Tim hereinkam. Fast geistesabwesend, an nichts denkend, sagte ich zu ihm: »Wir müssen noch ein paar Minuten warten, bis jemand an den Schalter kommt.« Ich wollte noch weitersprechen, aber Tim hinderte mich mit heftigen Armbewegungen daran. Etwas schien seinen Ohren weh getan zu haben. Dann mußten wir lachen, denn es war etwas Unmögliches passiert: Tim, der genauso an nichts dachte wie ich und noch nie ein Wörtchen Deutsch gelernt hatte, konnte alles verstehen, bis ihm bewußt wurde, daß ich deutsch sprach. Dann kam nochmals kurz dieselbe eigenartige Atmosphäre auf, wieder fing ich auf deutsch zu sprechen an, aber diesmal bemerkte er es sofort und schrie: »Stop it! Stop it!«

Wir meinen, durch Anhäufung von Informationen immer mehr zu wissen. Aber tatsächlich ist es so, daß man in dem Augenblick, in dem man nichts weiß, auch alles weiß. Denn alles zu wissen schließt natürlich das Gegenteil ein: das Nichts. Und das Nichts läßt sich mit unserem Denken nicht mehr erfassen, denn Denken ist nur eine Sinnestäuschung unseres Körpers, gefangen im System der Sprache und Dualität. Das Denken hindert uns, inwendig leer zu werden; es hindert uns, jede Sprache der Welt zu verstehen, so wie es vor dem Turmbau zu Babel war, wo jeder die Sprache des anderen verstand. Erst durch die Spezialisierung des Denkens, nämlich den Turm zu bauen, ging die Sprachfähigkeit verloren.

Wenn ich nur über das Nicht-Denken zum Alles-Verstehen komme, war die Ichfindung, mit der ich erst absolut Mann werden mußte, um den Gegenpol, die Frau, verstehen zu können, der Beginn dieses Erkenntnisprozesses. Genauso gelange ich zur totalen Freiheit nur mit vielen scheinbar strengen Regeln, damit ich die Freiheit nicht falsch nütze und sie dadurch zur Unfreiheit wird. So war z. B. Jesus der freieste Mensch, tatsächlich aber hat er nur den Willen Gottes ausgeführt. Bis vor hundert Jahren ließen sich Heilige in buddhistischen Tempeln monatelang einsperren, um durch die Unfreiheit zur Freiheit zu gelangen. Und ebenso kann die schnellste Bewegung nur in absoluter Ruhe erfaßt werden. Diese Ruhe läßt uns im Traum das Zeitgefühl verlieren, denn die Zeit ist mit der Bewegung verbunden, und wenn die Wahrnehmung der Bewegung durch unsere Sinnesorgane nicht mehr vorhanden ist, fehlt das Gefühl, wieviel Zeit vergangen ist.

Ich befinde mich auf einer Reise. Da sehe ich zwei Leute, wie sie für eine Fahrt in den Himmel einen Riesenluftballon besteigen. Es sieht aus wie auf einem Rummelplatz. Der Riesenballon dreht sich. Als sie den Ballon besteigen, werden durch die Fliehkraft ihre Finger gedehnt, dann ihre Körper; sie verändern ihre Gestalt und werden immer mehr aufgebläht. Da wachsen sie zu Riesenmonstern heran, zu Schlangenformen. Sie beginnen zu leuchten. Ich bin Zuschauer und möchte näher heran, aber da ist eine Abgrenzung, die wie eine Kugel das Ganze umschließt. Im nächsten Augenblick läßt das Leuchten der Schlangen und Monster wieder nach, das Ganze fällt in sich zusammen wie ein fauchender Luftballon, dem die Luft entweicht.

In diesem Moment wachte ich auf und spürte, daß ich mit dem Zusammenfallen der Monster langsam ausatmete.
In diesem Traum bin ich Zuschauer eines einzigen Atemzuges, denn der Traum beginnt mit dem Einatmen und hört mit dem Ausatmen auf. Der Traum zeigt mir, daß sich das Leben aus einer Vielzahl von Atemzügen zusammensetzt, und jedes Einatmen bedeutet Leben, jedes Ausatmen Sterben. Mathematisch ausgedrückt: Das Leben ist eine Funktion in Abhängigkeit des Atemzuges, mit der veränderlichen Größe des Atemzuges. Das bedeutet, daß sich das Leben um so weiter dehnen läßt, je langsamer jeder Atemzug ist. Tiere mit einem langsamen Atem leben länger als die mit einem schnellen. Und so ist es auch zu erklären, warum die Menschen von Adam bis Noah eintausend Jahre alt werden konnten.

Ich habe ein steifes Glied, es ist schon eine ganze Weile steif. Ich möchte es berühren, um einen Samenerguß zu bekommen. Aber meine innere Stimme und die Erkenntnis aus einem früheren Traum, nämlich daß ich viele Zuschauer habe, falls ich mein Glied berühre, hindern mich, das zu tun. Auf einmal sehe ich eine Frau, die an einem kreisförmigen, kleinen Teich eine Schlange bewacht. Sie hat die Schlange in den Händen. Sie hält sie vorn, an ihrem Maul, damit sie nicht beißen kann. Sie fragt mich, ob ich die Schlange haben wolle. Ich antworte mit einem Ja. Aber ich wolle die Schlange nicht aus ihrer Hand, da ich ja nicht weiß, ob sie mich täuschen will, um mich von der Schlange beißen zu lassen. Ich gehe rückwärts, weg von ihr, sie nicht aus den Augen lassend, bis ich zu einem anderen kleinen Pfuhl komme. Da denke ich, vielleicht ist hier auch eine Schlange drin. Ich kann jedoch keine entdecken. In dem Augenblick, als ich mit den Füßen im Wasser stehe und mir noch überlege, wie ich die Schlange anfassen könnte, ohne gebissen zu werden, wirft sie mir plötzlich die Schlange zu. Im selben Moment kommt ein wahnsinniges Licht aus meinem Körper, und ich erkenne, daß sich das Geschehen bisher im Dunkeln abgespielt hat. Das Licht hat eine solche Macht, daß die Schlange zurückgeworfen wird. Ein Licht, wie ich es noch nie gesehen habe.

In diesem Traum wurde mir bewußt, daß es in Wirklichkeit dunkel ist, wenn wir meinen, es sei hell draußen, und wir könnten alles sehen. Denn wir haben die gleichen Augen wie ein Tier, mit denen wir nur das sehen, was sich vor uns befindet; wir können durch die Materie nicht hindurchsehen. Tatsächlich leben wir in der Welt der Tiere, in der wir jeden Tag nach der Befriedigung unseres Körpers suchen. Der Verstand hilft uns nur, auf möglichst bequeme Weise zu diesem Ziel zu gelangen.
Auch wenn der Mensch sich anmaßt, er stünde über den Tieren, steht er in Wahrheit doch unter ihnen, denn wir haben schon vergessen, daß ein Oben nur existieren kann, wenn es ein Unten gibt. Tatsächlich hat Gott Adam und Eva vor dem Sündenfall über die Tiere gesetzt. Danach mußten sie genauso sterben wie die Tiere. »Denn an dem Tage, da du davon issest, mußt du sicher sterben« (Gen. 2, 17). Der Mensch ist in das Tierreich gefallen und hat einen tierischen Körper bekommen.

Selbst die Wissenschaft hat bewiesen, daß der Mensch vom Tier abstammt, weil wir dem Tier ähnlich geworden sind. Wenn man die Entwicklungsstufen immer weiter zurückverfolgt, zeigt sich, daß letztlich die Erde die Mutter aller Lebewesen ist. Das Gegenteil - der Himmel oder das Paradies - muß ein Ort sein, der frei ist von allen Gegensätzen, der sogenannten Dualität, ein Ort perfekter Harmonie.
Dualität heißt: Zu plus gehört minus, zu oben unten, zur Vergangenheit die Zukunft, zur Aktivität die Passivität, zum Leiden die Glückseligkeit, zum Leben der Tod usw. Wenn die Dualität verschwindet, verschwinden Vergangenheit und Zukunft, was bedeuten würde, daß die Zeit verschwindet. Dann verschwinden Nähe und Ferne, das heißt, man kann durch das ganze Weltall schauen. Und es verschwindet letztlich auch unsere Sprache, weil Wörter ohne unsere Dualität nicht existieren können.

Der Traum sagt mir, daß die Dualität nur aufgelöst werden kann, wenn ein Licht vom eigenen Herzen ausgeht, das stärker ist als die Sonne, das Tag und Nacht verschwinden läßt und das Adam und Eva nicht erkennen ließ, daß sie nackt waren. Im Traum erreiche ich dies nur durch einen Verzicht auf die Sexualität.

Je mehr Menschen sich dieser Gedanken bewußt werden, um so wahrscheinlicher ist es, daß sich die Zeit der Dualität ihrem Ende neigt. Im Buch von Enoch (Secrets of Enoch) wird vorhergesagt: »Wenn sowohl die sichtbaren als auch die unsichtbaren Schöpfungen, so wie sie Gott geschaffen hat, zu Ende gehen, dann muß jedermann in das große Gericht gehen, und die Zeiten werden unbrauchbar werden, es wird weder Jahre noch Tage noch Stunden geben, denn sie werden zusammenschmelzen, so daß sie nicht mehr gezählt werden können.« Das ist nur möglich, wenn Vergangenheit und Zukunft verschwinden, wenn sich die Dualität auflöst, die durch Adam und Eva entstanden ist. Dann verschwindet auch der Unterschied zwischen Mann und Frau: »Denn wenn sie von den Toten auferstehen, heiraten sie nicht, noch lassen sie sich heiraten, sondern sind wie die Engel im Himmel« (Mark. 12, 25).

Ich sehe in einem teichähnlichen Becken einen Saurier. Das Tier befindet sich unter einer Eisschicht. Aber vorn taucht es mit dem Kopf auf. Ich bin überrascht, daß es so ein Tier noch gibt, ich habe immer gedacht, sie seien längst ausgestorben. Da fasse ich Mut und gehe an den Rand, und als zufällig der Kopf ein bißchen herausragt, berühre ich ihn am Maul. Da bekomme ich einen elektrischen Schlag, und ein leichtes, plattgedrücktes Mal bleibt an meinem Finger. Ich zeige es anderen Leuten. Dann wende ich mich wieder dem Saurier zu. Ich sehe, wie sein Herz schlägt, dreißigmal in der Minute. Ich sage zu ihm, daß er wahrscheinlich sehr lange leben werde bei so wenigen Herzschlägen. Er sagt, nur noch einen Monat, dann sei er tot. Ich bin erschrocken und frage ihn, warum er nur noch einen Monat leben werde? Er sagt, daß er schon alles wisse, und wenn man alles wisse, müsse man sterben.

In meinen früheren Träumen bin ich vielen Tieren begegnet, z. B. Kühen, Elefanten, einem Tiger, Gorillas, einem Eisvogel, Schlangen u. a. Jetzt begegne ich einem Urtier, das mir sagt, daß man den Wunsch zu leben um so weniger hat, je mehr man das Leben versteht. Das Leben zu verstehen bedeutet, diejenige Weisheit zu haben, die sich in allen unseren Sprichwörtern findet und die uns alle Religionen verstehen läßt;. Jede Religion ist der Weg zum eigenen Herzen, von dem alles Denken ausgeht. Die Religion ist das Hilfsmittel, den Schleier des eigenen Ichs freizulegen, um die Harmonie zu finden - die Harmonie, die in Worten unaussprechlich bleibt, die ins Paradies zurückführt und die alle Gegensätze auflöst. Wenn ich von Harmonie spreche, so ist das Wort vielleicht schon falsch, weil es das Gegenwort Disharmonie gibt, und wenn ich sage falsch, dann ist es zugleich richtig, denn das Paradies ist der dritte Himmel, der zwischen Verderbtheit und Unverderbtheit liegt (Buch von Enoch) und der mit unseren Worten nicht beschrieben werden kann (Apostel Paulus 2. Kor. 12, 2). So muß auf der anderen Seite die Hölle die extremste Dualität darstellen, in der äußerste Hitze, Kälte, Haß, Angst, Dunkelheit usw. empfunden werden können.

Ich sehe am Himmel einen Bus oder zwei, die aneinandergehängt sind. Sie erscheinen am Nachthimmel, und sie rasen mit großer Geschwindigkeit. Diejenigen, die das Ganze sehen, wollen gar nicht glauben, was sie gesehen haben, denn es ist etwas Entsetzliches. Die Tür wird geöffnet, ich bin der einzige, der hineingeht. Drinnen sitzen zu meinem Erstaunen nur Mädchen. Aber mich treibt keine sexuelle Erregung zu den Mädchen hin. Da setzt sich der Zug in Bewegung, und ich denke, daß uns viele Erdbewohner jetzt sehen werden. Wir fahren mit dem Zug einfach durch die Häuser, die vor uns stehen. Der Zug kann anscheinend durch alle Materie hindurchfahren. Dann kommt noch jemand herein; es ist der stellvertretende Chef unseres Spracheninstituts. Er hat eine Aktentasche bei sich. Wir sagen ihm, er müsse sie draußen lassen, sie sei hier nicht notwendig. Er möchte Geld holen und geht nochmals nach draußen. Das Fräulein fragt, ob alles zur Abfahrt fertig sei, und ich bekomme Angst, daß er den Zug verpaßt.

Der Traum sagt mir, daß ich im entscheidenden Augenblick auf alles verzichten muß. Es ist der Tod, der alles, was wir im Leben so wichtig nehmen, bedeutungslos macht. Wenn im Leben das Geld meine Gedanken fesselt, dann kann der Todesgedanke mich davon befreien; er gibt die Kraft zum Leben, so wie sich auch in der Traurigkeit das Glück findet.
In dem Augenblick, wenn ich tot bin und die Materie nicht mehr wahrnehmen kann, hat sich für mich auch der Planet Erde und das Weltall aufgelöst. So gesehen ist jeder Mensch ein Gott, mit dessen Geburt die Welt geboren wird und mit dessen Tod sie wieder aufhört zu existieren. In dieser Zeitspanne ist das Leben ein Spiel, während dessen man in eine Rolle schlüpft: Man spielt die Rolle seines Geschlechtes, seines Berufes und sogar seines Charakters, der durch den Umgang mit seinen jeweiligen Freunden bestimmt wird.

Ich sehe meinen Vater, wie er im Sterben liegt. Er bereitet sich vor. Er hat ausgerechnet, wie lange man im Leben Zeit hat, sich aufs Sterben vorzubereiten. Oh, es sind ja nur ganze zwanzig Minuten von dem unendlich langen Leben herausgekommen. Aber da waren doch immer die Sonntagvormittage (Kirchgang) ... eigentlich ... Da beobachte ich, wie sich auf seiner Stirn drei Querfalten bilden. Das drückt die Angst vor dem Sterben aus. Ich kann das mitfühlen und stöhne deshalb etwas. Mein Vater mißt jetzt seinen Puls. Sein Puls hat jetzt nur noch dreißig Herzschläge pro Minute, und er weiß, daß es nun soweit ist: der Zeitpunkt ist da, jetzt muß er sterben. In diesem Augenblick nehme ich keine Rücksicht mehr, zu verheimlichen, was ich denke; ich sage ganz laut: »Das Ich mit seinem Körper gibt es in Wirklichkeit gar nicht, das war eine Illusion, und du hast ein Leben lang daran geglaubt.« Er versteht mich sofort, und er macht heftige Bewegungen, um auszudrücken, daß es genau das sei, und verscheidet.

Dieser Traum zeigt mir, was Unsterblichkeit bedeutet, nämlich daß unser Ich eigentlich nie existiert. Denn der Weg zum eigenen Ich, die Erkenntnis des eigenen Ichs, führt zur Auflösung des eigenen Ichs. In diesem Zusammenhang wird uns die logische Denkweise von Jesus verständlich, der kein Mitleid haben kann mit Menschen, die andere schädigen und sich nicht bekehren wollen. Denn sie erkennen nicht, daß sie sich über den anderen selbst schädigen.
Sie glauben an die Unabhängigkeit des Ichs und merken nicht, daß dieses unabhängige Ich sie später anklagen wird. Die Strafe ist das große Gericht, das in der Bibel und in allen Religionen zu finden ist. Mangelnde Erkenntnis, Stolz und Egoismus schaffen die Selbstständigkeit des Ichs und einen Abstand zu den Mitmenschen. Umgekehrt wird der Abstand geringer mit der Erkenntnis des eigenen Herzens und er wird immer kleiner je mehr man zu sich selbst findet, bis er sich am Schluß ganz auflöst. Man ist im Zentrum angekommen, das Zentrum ist Gott. Es gibt keine persönliche Individualität mehr, und es gibt dann auch keine persönliche Seele mehr, denn sie hat in Wahrheit nie existiert.
Die Schaffung einer unsterblichen, persönlichen Seele war ein Lügengebilde, denn schon der Teufel sagte zu Eva: »Ihr werdet keineswegs des Todes sterben (wenn ihr von der Frucht der Dualität genießt).« Der Mensch klammert sich an die Illusion, daß etwas Unsterbliches in ihm sei. Nicht die Seele ist unsterblich, sondern die Lehre Jesu, die ich hiermit erklärt habe, führt zur Unsterblichkeit. Die Auflösung des Ichs, das ist die Frucht des zweiten Baumes im Paradies - den Baum des ewigen Lebens.


 
Der Weltuntergang

Im Traum sah ich den genauen Zeitpunkt des Weltendes und der Wiederkunft von Jesus Christus: Wenn die Weltbevölkerung sieben Milliarden Menschen erreicht.

Ich fange an, ein Buch zu lesen. Manche sagen mir, daß das verboten sei, denn es ist ein Buch über Schwarze Magie. Aber ich antworte, daß ich lieber sterben würde, als das Buch nicht zu lesen, auch wenn ich Angst vor dem Inhalt hätte. Aber wovor soll ich schon Angst haben? Der Titel erinnert mich an »Das Buch des Gesetzes« (von Aleister Crowley) und an »Das magische System des Golden Dawn« (von Israel Regardie). Ich lese die erste Seite. Es beginnt damit, daß es - wenn die Zeit gekommen ist - weder ein Vorwärts noch ein Rückwärts gibt. Und die Zeit ist jetzt da, und es wird jetzt einen Atomkrieg geben. Und ich sehe den Erdball, wie er rundherum mit Wolken bedeckt ist, verursacht durch einen Atomkrieg.
Ich bin erschrocken, ich will wissen, wann das genau sein wird. Doch statt einer Jahreszahl sehe ich eine Skala mit Zahlen. Mit Hilfe eines bestimmten Multiplikators läßt sich daraus die exakte Zeit errechnen. Es ist der Zeitpunkt der Wiederkunft Jesu. Die Berechnung erscheint mir zu kompliziert, das schaffe ich nicht. Jetzt bewegen sich die Zahlen auf der Skala wie an einem Spielautomaten. Es erscheinen lauter Nullen. Nur die erste Zahl bleibt bei einer Sieben stehen. Dahinter zähle ich neun Nullen. Ich weiß auf einmal, daß dies alles geschieht, wenn die Erdbevölkerung sieben Milliarden erreicht hat - dann kommt Jesus.

Der Traum sagt mir, daß die Menschheitsgeschichte ihr Ende erreicht hat und die Welt vor einem Atomkrieg steht. Niemand will ihn haben. Trotzdem wird er kommen, denn es gibt kein Zurück mehr in die Vergangenheit ohne Atomwaffen. Er könnte sogar notwendig sein für das Ziel Gottes. Denn sollte nicht Gott, der sich in allen Menschen vervielfacht hat, einen letzten Krieg zur Lösung sämtlicher Probleme benutzen? Das erste Mal wurde die Welt durch das Wasser vernichtet, das zweite Mal muß es das Gegenteil sein: das Feuer. Es kann jedoch nur eine teilweise Vernichtung stattfinden, denn der Beginn eines neuen Zeitalters mit der Wiederkunft Jesu wäre ohne Menschen sinnlos.

Mit dem Niedergang des Kommunismus dachten viele, daß die Gefahr eines Atomkrieges gebannt sei. Doch es kommt anders: Der Zerfall des Kommunismus und mangelnder Sicherheitsschutz des Know-hows haben zur Ausbreitung der Nukleartechnik geführt und somit das Risiko eines Atomkrieges erhöht. Auch ohne Atomkrieg bahnt sich durch die Anfälligkeit der Atomkraftwerke ein Desaster an. Fukushima läutet seit März 2011 die Endzeit ein!

Der Traum läßt noch eine andere Deutung zu, nämlich daß die Wiederkunft Jesu mit dem Schrecken eines Atomkrieges vergleichbar ist. Er hat selbst gesagt, wenn das Meer mit Fischen voll ist, das heißt, wenn die Erde mit Menschen überfüllt ist, wird das Netz an Land gezogen. Jeder bekommt dann seinen Lohn, den er verdient hat.


 
Fortschritt = Rückschritt

Wir leben in der Welt der Dualität. Wenn wir auf der einen Seite dazu gewinnen, dann müssen wir auf der anderen Seite etwas verlieren. Viele glauben an die Weiterentwicklung des Menschen. Ich bin überzeugt von einem Rückschritt.
Die wenigsten halten die Aussagen in der Bibel für möglich, daß die erste Generation von Menschen mehrere hundert Jahre alt werden konnte, und niemand wird glauben, daß das menschliche Gehirn jemals fähig war, alle Sprachen der Welt zu verstehen.
Ich halte alles Unmögliche für möglich.

Ich habe die Bibel zitiert, nicht weil ich von vornherein annahm, daß sie richtig sei, sondern umgekehrt, weil ich meine bereits vorhandenen Gedanken durch sie bestätigt gefunden habe und weil sie mir den Glauben an die absolute Richtigkeit meiner Gedanken gegeben hat.

Ich glaube an den Beginn der Menschheitsentwicklung durch Adam und Eva, weil der Tod von Adam der Beginn der Ahnenverehrung war. Die Entwicklung der Menschheit gleicht einem Baum, der sich immer weiter verzweigt und verfeinert hat. Ähnlich haben sich die Erbanlagen der Menschen immer mehr spezialisiert, z. B. ist eine Heirat innerhalb derselben Familie unmöglich geworden.
Ich bin überzeugt, daß die Menschheit sich nicht weiterentwickelt, sondern einen Rückschritt erlebt hat. So ging mit der Entstehung der Dualität die Unsterblichkeit verloren (Geschichte von Adam und Eva), durch die Änderung des Atmens das hohe Lebensalter, durch die Schaffung einer Kultur (Turmbau zu Babel) wurde das Gehirn spezialisiert und verlor die Fähigkeit, andere Sprachen zu verstehen. Der Rückschritt geht weiter über das Mittelalter und die frühe Neuzeit. Tatsächlich ist auch die Aufklärung nur eine Verdunkelung gewesen, weil man nicht mehr die Gedankengänge der >Unaufgeklärten< verstand. Der Mensch hat seinen Mittelpunkt wieder ein Stück mehr nach außen gelegt, weil anstelle der Erde die Sonne das Zentrum wurde. (Jetzt, wo es die Sonnen und Erden vielleicht milliardenfach gibt, hat sich der Mittelpunkt ganz aufgelöst und muß wieder zum Individuum zurückkehren.)
Der Rückschritt setzt sich fort bis in die jüngste Zeit, in der die Emanzipation der Frau propagiert wurde, die Gesellschaft aber nur gefühlloser wurde. Die Leugnung der Gefühle geht so weit, daß sich immer mehr Menschen nackt ausziehen, ohne sexuell angesprochen zu werden.

In der Bibel (Daniel) sieht der babylonische Kaiser Nebukadnezar in einem Traum die fortlaufende Minderung der Qualität der Reiche, die nach ihm kommen werden: von seinem Goldenen Reich zum Silbernen und Kupfernen bis hin zum letzten, aus Eisen und Ton gemischten Reich. Und er sieht, wie die Reiche zerschmettert werden und der Sohn Gottes wiederkommt.
Den Zusammenbruch der Industrienationen halte ich nur durch einen Atomkrieg für möglich. Eine andere Lösung wäre wohl, wenn jeder Mensch der Stimme seines Gewissens folgen würde. Jedoch ist die Menschheit davon weiter entfernt, als je zuvor. Was bleibt, ist meine Sehnsucht nach dem Untergang und nach einem neuen Zeitalter.

Eine interessante geschichtliche Tatsache über den Urschrei:

Sima Qian (司马迁) lebte 145 - 90 vor Christus und hat als erster Historiker die chinesische Geschichte dokumentiert. In seinem Werk "Die historische Biographie des Dichters Quyuan (史记 ‧ 屈原列传)" wird auf die Anrufung der Eltern bei Problemen hingewiesen.

夫天者,人之始也,Der Himmel ist der Anfang des Menschen,
父母者,人之本也。Die Eltern sind unsere Wurzel.
人穷则反本,Bei Schwierigkeiten, kehrt man zu seiner Wurzel zurück.
故劳苦倦极,未尝不呼天也。Infolge verstärkter Spannungen und Probleme sollte man den Himmel anrufen.
疾痛惨怛,未尝不呼父母也。Und bei einem unerträglichen Leidensdruck muß man nach Vater und Mutter rufen.

 
Über meine WEB-Seite

Ich habe die WEB-Seiten nach meinen eigenen Erlebnissen zusammengestellt. Sie entsprechen zu 100 % der Wahrheit. Die Grundlage dazu bildete meine Buch "Das Herz des Unsterblichen" (94 Seiten, Ausgabe 1994), das ich im Eigenverlag veröffentlichte. Der Preis beträgt Euro 10,- incl. Porto (oder 10 US Dollar).


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Erste Veröffentlichung im Internet: März1998
Letzte Änderung der Webseite: April 2013
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